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Natürlich gibt es Schuldner, die völlig ohne ihr eigenes Zutun in Situationen geraten sind, aus denen sie mit eigener Kraft nicht mehr herauskommen. Situationen in denen sich der Schuldner zur Bestreitung seines Lebensunterhalt fast schon zwingend verschulden muss.

Es gibt aber auch Situationen, in denen der Schuldner zwar auf der einen Seite irgendwie sogar zu bemitleiden ist, auf der anderen Seite dann jedoch Schulden macht für Dinge, die nun wirklich nicht überlebensnotwendig sind.

Mitleid oder Mitgefühl ist ohne Frage eine Eigenschaft, die man haben sollte und die durchaus auch im Bereich des Inkassos nicht völlig außer Acht gelassen werden sollte. Jedoch muss man hier auch klare Grenzen ziehen.

Diese sind bei mir beispielsweise spätestens dann überschritten, wenn ein Schuldner auch nicht die geringsten Bemühungen zeigt oder gar den Funken eines Willens, die Forderung zu begeleichen.

Erst vor kurzem hatten wir hier einen Fall, in dem der Schuldner zu keinem Zeitpunkt auch nur irgendeine Reaktion zeigte. Post wurde ignoriert, am Telefon wurde man grundsätzlich nach wenigen Sekunden weggedrückt und auch sonst war der Schuldner für eine gütliche und außergerichtlichen Lösung nicht bereit. Auch ein fairer Vergleichsvorschlag schien den Schuldner nicht zu interessieren. Er wollte schlicht und ergreifend nicht bezahlen.

Wir leiteten dann das Mahnverfahren ein, worauf der Schuldner ebenfalls nicht reagierte.

Nach Erhalt des Vollstreckungsbescheids schickten wir ihm noch eine letzte Vollstreckungsandrohung, auf die selbstverständlich ebenfalls keinerlei Reaktion kam.

Da wir bislang keine brauchbaren Pfändungsmöglichkeiten hatten, starteten wir eine umfangreiche Recherche und wurden auch fündig. Eine Pfändung seines Arbeitslohns schien sehr vielversprechend zu sein, da der Schuldner zwischenzeitlich eine neue Anstellung gefunden hatte. Mit großer Wahrscheinlichkeit wäre die gesamte Forderung auf einen Schlag zu realisieren gewesen.

Das Problem war dann nur, dass der Mandant dies nicht wollte, da der Schuldner schließlich eine Familie zu versorgen habe und er auch sonst nicht unbedingt mit Glück gesegnet sei. Außerdem wäre das auch ein ganz schön harter Schritt gegen den Schuldner, zu dem man dann doch nicht bereit sei.

Grundsätzlich kann ich ja sogar verstehen, wenn man Skrupel hat, einem Schuldner mit Familie das “letzte Hemd” auszuziehen, wenn man sich als Schuldner aber so gar nicht um seine Schulden kümmert und jeden Versuch, die Angelegenheit sowohl günstig als auch unkompliziert aus der Welt zu schaffen, dann fehlt mir jegliches Mitleid.

Man kann ohne Zweifel in schwierige und  auf den ersten Blick auswegbare Situationen geraten. Dann muss man aber zumindest dazu stehen und die Karten auf den Tisch legen. Nur so kann man gemeinsam nach einer tragfähigen Lösung suchen, die alle Aspekte berücksichtigt.
Nur ohne das Wollen des Schuldners geht es einfach nicht. Deshalb halte ich Mitleid, bei Schuldnern, die sich vor der Situation versuchen zu verstecken, für fehl am Platz.


12 Kommentare zu Falsches Mitleid

  • Dieses “Kopf in den Sand stecken” der Schuldner geht oft einher mit dem unbedingten Willen, den (teuren) Lebensstandart zu halten. Und genau deswegen werden oft immer weitere Schulden angehäuft.
    Aber dann wird natürlich auf die bösen Vermieter / Händler / Handwerker geschimpft … :-(

    • Genau das ist das Problem. Der Lebensstandard bleibt, nur fehlt das Geld dafür und sich selbst einzuschränken fällt vielen einfach zu schwer.
      So kommen dann die Schulden und plötzlich sind alle nur noch böse Abzocker, egal ob Vermieter, Handwerker, oder wer auch immer.
      Das diese aber auch von irgendetwas leben müssen und ebenfalls Rechnungen zu bezahlen haben, dass vergessen Schuldner in der Situation leider oft auch.

  • Schuldner müssen sich häufig mit mehreren, beileibe nicht nur kultivierten Versuchen der Kontaktaufnahme auseinandersetzen. Zusätzlich zu den Schulden fliegt vielen Betroffenen noch ihr gesamtes sonstiges Leben um die Ohren. Das kann dem Gläubiger egal sein. Der Schluss auf unmotivierte Böswilligkeit des Schuldners greift häufig zu kurz.

    • Das mag in vielen Fällen der Fall sein, häufig geht das ja auch mit Depressionen und anderen Erkrankungen einher. Wenn der Schuldner aber sich einen neuen Job besorgen kann, wie in diesem Fall, kann er auch ans Telefon gehen oder Briefe öffnen.

      • Depressionen oder sonstige gesundheitliche Probleme sind natürlich etwas anderes. In diesem Fall heißt es dann, gemeinsam eine für alle Seiten erträgliche Lösung zu finden.

    • Da mögen Sie sicherlich in vielen Fällen zweifellos richtig liegen. Im Vorliegenden war es jedoch wirklich schlichte Ignoranz gepaart mit einer Haltung nach dem Motto “Ist mir doch egal”.

  • Pfändung des Arbeitseinkommens bedeutet ja nicht, dass dem Schuldner nichts mehr zum eigenen Leben und zur Versorgung der Familie verbleibt. Schließlich gibt es gesetzl. Pfändungsgrenzen. Insofern muss man erstmal schauen, wieviel von dem Arbeitslohn überhaupt gepfändet werden kann; Mitleid in dem konkreten Fall nicht angebracht.

  • Ähnliche Fälle kenne ich zu genüge. In einigen Fällen hilft hier als letzter “Aufrüttler” die schriftliche Androhung der Pfändung des Gehaltes beim Arbeitgeber. Hier haben wir oft im letzten Moment vor der tatsächlichen Pfändung noch eine Einigung erzielen können, da dies dem Schuldner oft sehr peinlich ist, gerade bei einer neuen Arbeitsstelle.

    • Das bringt meist auch schon den gewünschten Erfolg. Falls auch dieser letzte Warnschuss nichts bringt, hilft oft auch ein kurzer Anruf beim Arbeitgeber, um diesen von der bevorstehenden Pfändung zu informieren. Viele Arbeitgeber bitten dann um einen kurzen Aufschub, da sie mir ihrer Mitarbeiterin oder ihrem Mitarbeiter zuvor kurz reden möchten. In fast allen Fällen ruft dann der Arbeitgeber kurz darauf zurück und bietet eine Lösung an. Meist überweist dann sogar der Arbeitgeber die Forderung komplett und hat zuvor mit seiner Mitarbeiterin oder seinem Mitarbeiter vereinbart, dass er dafür dann monatlich einen Teil des Gehalts einbehält.
      Dies hat oft auch den positiven Nebeneffekt, dass der Schuldner von seinem Arbeitgeber die nötigen Impluse bekommt, um seine Verschuldung künftig aktiv anzugehen. Für den Arbeitgeber hat es den Vorteil, dass er sich nicht mit einer lästigen und aufwändigen Pfändung auseinandersetzen muss.

  • Also stark und unnachgiebig gegen den Schuldner, notfalls auch unter Einbeziehung des Arbeitgebers. Danke, die Werbebotschaft ist angekommen. Sie öden die Blogosphäre an.

    • Für Streicheleinheiten sind Sie definitiv in der falschen Branche gelandet. Manchmal reicht ein nettes “Bitte bezahl doch die Rechnung” einfach nicht aus, dann muss man eben auch mal die Zwangsvollstreckung betreiben. Außerdem sollte man auch nicht ganz außer Acht lassen, dass der Schuldner sich auch nicht gerade fair verhält, wenn er weder bezahlt noch sich irgendwie meldet um die Sache aus der Welt zu schaffen.

  • @Herr Kampe
    Wenn ihnen der Blog nicht gefällt, lesen sie doch einfach was anderes… -.-

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