Die Rechtsdiensleister Inkasso • Gütestelle • Zwangsverwaltung

Am Dienstag war ich anscheinend viel zu früh dran. Gleich morgens gegen 9 Uhr ging es los um einige Schuldner zu besuchen.

Die ersten beiden die ich um 9.30 Uhr und um 10 Uhr besuchte waren wach und sogar bereit die Forderungen zumindest in kleineren Raten abzuzahlen.

Die dritte Schuldnerin bei der ich ungefähr um 10.30 Uhr eintraf schien frisch aus dem Bett zu kommen. Total verschlafen, im Gesicht sah man noch die Abdrücke des Kopfkissens und auch sonst machte sie keinen wirklich munteren Eindruck. Auf die Frage, ob ich sie geweckt hätte kam dann nur ein schlecht gelauntes „Das sieht man ja wohl, Mensch!“.

Wenige Minuten später erzählte sie mir dann, dass sie seit über 3 Jahren arbeitslos sei. Große Hoffnungen noch eine Stelle zu finden hatte sie ebenfalls nicht und das obwohl sie gerade mal 23 Jahre alt ist.
Mein Eindruck war jedoch eher, dass sie keine große Lust auf einen Job hat. Sie scheint sich mittlerweile ganz gut mit ihrer Arbeitslosigkeit arrangiert zu haben und macht dabei nicht unbedingt den unglücklichsten Eindruck.
Was ihre Schulden angeht hatte sie sich auch noch keine Gedanken gemacht. Sie würde ja nur Hartz IV bekommen, da könnte sie ja völlig unmöglich auch noch die 43 € bezahlen die sie meinem Mandanten noch schuldet.

Das sind Momente in denen man sich wirklich fragt wie so etwas sein kann. 23 Jahre, arbeitslos jedoch augenscheinlich arbeitsfähig und noch dazu völlig zufrieden mit der Situation. Die Briefe stapeln sich bereits ungeöffnet neben der Türe und sie scheint ihr Leben schon irgendwie abgehakt zu haben. Jedenfalls machte sie auf mich nicht den Eindruck, als dass sie etwas an ihrer Situation ändern wollen würde.

Nach einigem Zureden konnten wir uns dann doch noch einigen, dass sie künftig 10 € monatlich bezahlt. Vorsorglich haben wir auch gleich vereinbart, dass ich das Geld monatlich bei ihr abhole. Alles andere wäre hier sowieso schief gegangen.

Die nächste Schuldnerin bei der ich gegen 11 Uhr war, war offensichtlich ebenfalls noch nicht lange wach. Auch ihr sah man noch deutlich an, dass sie noch vor kurzem im Bett gelegen hatte. Ihre beiden Kinder schienen da schon deutlich fitter zu sein und tobten wild durch die Wohnung.

Da ich nun schon einige Zeit mit der Schuldnerin zu tun habe fragte ich sie mehr ironisch, ob sie gut geschlafen hätte. Voller Ernst erklärte sie mir dann, dass sie eigentlich vor 12 nicht aufstehen würde. Sie würde deshalb auch regelmäßig Termine beim Arbeitsamt versäumen, weil das Arbeitsamt diese immer schon auf 9 Uhr legen würde. Eine bodenlose Frechheit wie sie findet. Das wäre auch der Grund wieso sie momentan ihre Raten nicht bezahlen könne. Das Arbeitsamt habe ihr deshalb auch den Hartz IV Satz gekürzt und sie müsste nun mit rund 50 € weniger im Monat auskommen.

Ich weiß nicht wie groß die Versuchung ist nach einiger Zeit der Arbeitslosigkeit keinem geregelten Tagesablauf mehr nachzugehen, aber offensichtlich ist es für die Jobsuche etc. nicht gerade förderlich, wenn man einfach nur noch in den Tag hinein lebt und erst gegen Mittag aufsteht.

Dies sind wohl beides nur Einzelfälle und die Meisten die (unverschuldet) in die Arbeitslosigkeit geraten sind wollen auch arbeiten, nur ist es doch erschreckend, wie häufig man zumindest in dieser Branche so etwas antrifft.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

So erreichen Sie uns


Die Rechtsdienstleister


Mörikestraße 1
71131 Jettingen


Tel: 07452 - 75 08 29 1
Fax: 07452 - 75 08 29 0
eMail: info@die-rechtsdienstleister.de


Bürozeiten:


Montag - Donnerstag 8.30 - 12.00 Uhr
und 13.00 - 17.00 Uhr


Freitag 8.30 Uhr - 12.00 Uhr und
13.00 - 15.00 Uhr


Termine nur nach Vereinbarung!