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Ein Mandant hatte einem ehemaligen Freund Geld geliehen. Es ging um eine kleinere fünfstellige Summe die der Schuldner für ein neues Auto benötigte.

Glücklicherweise lies sich der Mandant den Erhalt des Geldes vom Schuldner quittieren und vereinbarte zugleich schriftlich einen Rückzahlungstermin. Eigentlich war der Mandant sich sicher, dass dies nicht nötig sei, schließlich kennt man sich schon seit mehreren Jahrzehnten und war gut befreundet. Seine Frau, so berichtete der Mandant, hatte jedoch aus unerfindbaren Gründen ein komisches Gefühl bei der Sache.Aus diesem Grund bestand sie auch darauf, dass man zumindest den Empfang und das Rückgabedatum schriftlich festhält.

Zum Glück für den Mandanten, denn ohne dieses Schriftstück hätte es vor Gericht ggf. schwierig werden können die tatsächliche Übergabe des Geldes zu beweisen, zumal das Geld damals in Bar übergeben wurde.

Wie so oft in solchen Fällen zerbricht die Freundschaft dann irgendwann und was noch bleibt ist dann das unbezahlte Darlehen. So auch hier. Es gab zwischen den Parteien immer mehr Reibereien und Unstimmigkeiten die dann irgendwann dazu führten, dass man die Freundschaft zu Grabe trug. Und mit ihr auch die Rückzahlung des Darlehens. Zumindest aus Sicht des Schuldners.

So reagierte dieser auch nicht auf unsere Schreiben und war auch telefonisch für niemanden mehr zu erreichen. Es war also unumgänglich, das gerichtliche Mahnverfahren einzuleiten um dann eben im Rahmen der Zwangsvollstreckung weiter gegen den ehemals besten Freund vorgehen zu können.

Der Schuldner legte gegen den Mahnbescheid Widerspruch ein. Eine Begründung für den Widerspruch gab er nicht an. Auch unser Schreiben, er möge den Widerspruch zurücknehmen, da wir ihm die Forderung zweifelsfrei nachweisen könnten, half nichts.

Nach Einzahlung der restlichen Gerichtskosten ging die Angelegenheit dann vor den Amtsrichter. Der Schuldner war nicht anwaltlich vertreten, versuchte aber mit seinen Mitteln das Beste aus der Sache zu machen. Dabei trug er allerlei Dinge vor, die mit dem Anspruch nichts oder nicht viel zu tun hatten. Inhaltlich zu seiner Verteidigung brachte er jedoch nicht viel vor. Im Gegenteil. Sein Hauptargument war, dass schließlich unser Mandant schuld daran sei, dass die Freundschaft zerbrochen sei, da dieser irgendwann auf die Rückzahlung des Darlehens bestanden habe. So etwas macht man unter Freunden nicht. Gute Freunde würden so etwas einfach mal vergessen und sich nicht die Blöße geben, immer wieder um die Rückzahlung des Geldes bitten.

Auch die schriftliche Bestätigung ließ er nicht gelten, schließlich habe er das Geld tatächlich nie erhalten. Daher habe er auch nie verstanden wieso er das Geld zurückbezahlen sollte. Er verstehe sowieso nicht, wieso er eigentlich hier sei. Er habe zwar damals um ein Darlehen gebeten, dieses aber nie erhalten, da unser Mandant seiner Frau anscheinend hörig sei und selbst keine eigenen Entscheidungen treffen könne. Seine Frau hätte ihm dies damals verboten und so wurde nie etwas aus dem Darlehen. Er habe dann, wie es unter guten Freunden eben üblich sei, nie wieder nach dem Darlehen gefragt oder ihn sonst wie um Geld gebeten. Die Forderung sei somit frei erfunden und würde nur eine Retourkutsche darstellen, dass die Freundschaft in die Brüche gegangen sei. Wahrscheinlich würde die Frau unseres Mandanten sowieso dahinter stecken.

Der Richter sah die Sache ganz prakmatisch und hier sich an die Fakten. Demnach gibt es zum einen die schriftliche Bestätigung des Geldempfangs, zum anderen wurde ein Rückzahlungsdatum vereinbart und außerdem würde sich der Schuldner selbst in Widersprüche bezüglich seiner Sicht der Dinge verstricken. Zunächst sagt er, es wäre unter Freunden nicht üblich, auf die Rückzahlung zu bestehen, im nächsten Moment will er das Geld dann aber nie erhalten haben. Das würde nicht so recht zusammen passen.

So war es auch nicht verwunderlich, dass der Klage zu 100 % stattgegeben wurde und er ehemals beste Freund zur Zahlung der Gesamtsumme inklusive Zinsen und Kosten verurteilt wurde.

Der Schuldner verließ daraufhin tobend und schimpfend, wie man es eigentlich nur aus dem Fernsehen kennt, den Saal und brüllte im hinausstürmen nur noch etwas von “Ich werde in Berufung gehen! Notfalls bis nach Karlsruhe! Das ist eine absolute Schweinerei!”

Mittlerweile ist die Rechtsmittelfrist seit gut vier Wochen vorbei und die Kontopfändung ausgebracht. Laut Drittschuldnerauskunft der Bank dürften wir mit einer vollständigen Zahlung in den nächsten Wochen rechnen dürfen, so dass die Sache damit für unseren Mandanten doch noch ein gutes Ende finden wird.

Es ist eben doch in den meisten Fällen gefährlich sich als Laie selbst vor Gericht zu vertreten. Nicht ohne Grund vertreten sich selbst Anwälte nur sehr selten selbst vor Gericht, sondern bevollmächtigen hierzu einen Kollegen. Man selbst ist sich doch immer der schlechteste Mandant.Wenn dann noch Wut, Enttäuschung oder sonstige Emotionen ins Spiel kommen, dann kann man vor Gericht eigentlich nur verlieren. Zudem sollte man sich im Vorfeld überlegen, ob den der Anspruch tatsächlich so aus der Luft gegriffen ist. Wenn man dann in der Vergangenheit auch noch etwas unterschrieben hat, dann sollte man sich endgültig überlegen, ob es nicht sinnvoller und vor allem auch günstiger ist, wenn man versucht die Sache zumindest mit einer Ratenzahlung zu regeln. Deutlich billiger wäre es in diesem Fall jedenfalls gewesen.


8 Kommentare zu Neulich vor dem Amtsgericht

  • Hat das Gericht dem Kläger nun die Erstattung seiner Anwalts- und zugleich auch die Erstattung der vollen vorgerichtlichen Inkassokosten zugesprochen?

    • Nein, das Gericht hat, wie auch nicht anders beantragt, die Inkassokosten in Höhe der theoretischen, nicht anrechenbaren außergerichtlichen Rechtsanwaltsgebühren zugesprochen. Zudem wurde die Vergütung in Höhe von EUR 25,00 für die Betreibung des Mahnverfahrens anerkannt sowie auch selbstverständlich die Rechtsanwaltskosten für das streitige Verfahren.

  • Weshalb wird eine fünfstellige Forderung vor dem Amtsrichter verhandelt? Fünfstellige Summen dürften die Zuständigkeit des Amtsgerichts bis 5000 EUR. (Vierstellig) doch überschreite

  • Eine Frage: Wie kam es denn, dass die “fünfstellige Summe” vor dem Amtsgereicht eingeklagt wurde bzw. warum wurde weniger als die Darlehensforderung eingeklagt? Danke!

  • da bin ich aber ganz anderer meinung. es MUSS möglich sein, sich VOLLUMFÄNGLICH vor gericht selbst zu vertreten. SELBST !!! dieser automatismus der eine ganze “industrie” alimentiert , wird immer gefrässiger…. dem ist einhalt zu gebieten… die gerichte etc. sind für DEN BÜRGER da, nicht umgekehrt…teilweise ist das ganze ein “perverses” system

    • Natürlich müsste es möglich sein, sich selbst vor dem Amtsgericht zu vertreten. Wenn man aber noch nicht einmal auf den Hinweis des Richters, man möge doch bitte zur Sache vortragen reagiert, dann kann der Richter auch nichts mehr für ihn tun. Da muss man eben seine Fähigkeiten selbst einschätzen.

  • Der Schuldner war allerdings nicht unbedingt eine große Leuchte

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