Die Rechtsdiensleister Inkasso • Gütestelle • Zwangsverwaltung

Immer wieder taucht die Frage auf, die man eigentlich ein Inkassounternehmen gründet und ob das jeder machen darf.
Aus diesem Grunde möchte ich an der Stelle erläutern, welche Voraussetzungen es gibt und wie man letztlich eine Registrierung als Inkassounternehmer bekommt.

In meinem Fall entstand die Idee, mich mit einem Inkassounternehmen selbstständig zu machen während ich mit einer Freundin und Kommilitonin für eine Klausur lernte.
Nach einigen Überlegungen, wie man das juristische Studium bereits jetzt nutzen könnte, kamen wir auf die Idee eines Inkassounternehmens.
Die Recherche bezüglich der Voraussetzungen ergab, dass hierfür eine Zulassung nach dem Rechtsberatungsgesetz (RBerG) (nun nach dem Rechtsdienstleistungsgesetz (RDG)) nötig ist.

Ein Anruf beim Landgericht Stuttgart ergab dann, dass es möglich ist, eine Sachkundeprüfung vor dem Landgericht zu absolvieren, sofern der hierfür nötige Antrag auf Erteilung einer Inkassozulassung bis spätestens 30.6.2008 beim zuständigen Amtsgericht eingeht. Danach wäre der Nachweis  der Sachkunde nur noch durch einen Lehrgang oder eine langjährige Tätigkeit in diesem Bereich möglich.

Neben einem Lebenslauf musste der Antrag ein polizeiliches Führungszeugnis enthalten. Nachdem dann das Amtsgericht weitere Informationen eingeholt hatte, gab es den Antrag zuständigkeitshalber an das Landgericht in Stuttgart ab.

Dort erhielt ich die Mitteilung, dass der Nachweis meiner Sachkunde durch eine Sachkundeprüfung vor drei Richtern des Landgerichts nachzuweisen sei. Der Prüfungsstoff war dabei sehr breit gefächert. Von profunden Kenntnissen des BGB, der ZPO sowie dem HGB wurden unter anderem auch Kenntnisse im Aktienrecht verlangt.

Die Sachkundeprüfung fand dann Ende November 2008 statt. Jeder der drei Richter stellte verschiedenste Fagen aus allen möglichen gebieten. Teilweise wurden mir auch Fälle vorgelegt, wie man es aus der Uni kennt. Diese mussten gelöst und mit den richtigen Paragraphen untermauert werden. Zudem musste man einer Diskussion standhalten, wieso gerade dieses Ergebnis richtig ist und nicht eine andere Lösung denkbar ist. Insgesamt dauerte die Prüfung knapp über eine Stunde. Das Niveau war sehr hoch und ich war froh, dass ich Jura damals schon im 4. Semester studierte, andernfalls hätte ich wohl deutlich größere Schwierigkeiten gehabt, den Fragen standzuhalten.

Nach dem die Sachkundeprüfung dann bestanden war, erhielt ich Anfang Februar meine Zulassung durch den Präsidenten des Landgerichts Stuttgart. Auf Grund des RDG war es jedoch nicht mehr möglich sofort mit der Tätigkeit zu beginnen. Stattdessen war eine Registrierung im Rechtsdienstleistungsregister nötig.

Für die Registrierung benötigt man als sog. Alterlaubnisinhaber (Zulassungsinhaber auf Grund des RBerG) neben der Zulassungsurkunde auch einen Nachweis über den Abschluss einer Vermögensschadenshaftpflichtversicherung. Die Versicherungssumme ist dabei durch eine Verordnung zur RDG vorgeschrieben.

Nach insgesamt ca. 8 Monaten erhielt ich dann am 18.02.2009 meine Registierungsurkunde und konnte damit dann als Inkassounternehmer fremde Forderungen einziehen.

Insgesamt wird durch die Registeriungsbehörden eine hohe Zuverlässigkeit in allen Bereichen sowie eine außerordentliche Sachkunde im gesamten Zivilrecht verlangt. Zudem unterliegt jeder Erlaubnisinhaber der Aufsicht durch den Präsidenten des Landgerichts. Somit ist eine rechtsstaatliche und korrekte Arbeitsweise der Inkassounternehmen sichergestellt und schwarze Schafe wie Moskau Inkasso etc. haben kaum noch Chancen.


6 Kommentare zu Wie man Inkassounternehmer wird

  • Nehmen Sie es mir nicht übel, aber ich finde, dass ein Großteil der Inkassounternehmen in gewisser Weise ein schwarzes Schaf ist. Es gibt reihenweise Inkassounternehmen, die Forderungen ihrer Kunden ohne irgendwelche Prüfung einzutreiben versuchen und dann auf die Reklamation des angeblichen Verursachers entweder gar nicht oder nur mit dem Hinweis reagieren: Unter Auftraggeber hat Recht. Zahlen Sie! Basta!

    Mag sein, dass Sie das anders machen, aber Google ist Dein Freund. Und alle diese Unternehmen sind im Bundesverband für Inkassounternehmen. Naja ;)

    • Da muss ich Ihnen leider Recht geben. Es gibt auch heute noch genügend Inkassounternehmen die auf diese Weise versuchen ihr Geld zu verdienen und damit oft auch noch Erfolg haben.
      Das ist jedoch nicht meine Art, zumal ich mir mit dem Inkassounternehmen auch einen guten Namen machen möchte, da ich momentan Jura studiere und danach eine Zulassung als Rechtsanwalt anstrebe.
      Ich denke auch auf Grund meines Studiums schaue ich mir die Fälle vorher genau an und prüfe sie auch gründlich. Sollte ich Zweifel haben, dass eine Forderung gerechtfertigt ist, würde ich das Mandat notfalls auch ablehnen.

      Was den Bundesverband der Inkassounternehmen angeht kann ich leider nicht viel dazu sagen.
      Ich selbst bin nicht Mitglied, jedoch finde ich die Regeln, die der Verband für seine Mitglieder aufstellt zumindest zum Teil sehr gut und sinnvoll. Persönlich versuche ich mich an die Regeln, die auch für Rechtsanwälte gelten zu halten. Meiner Meinung nach sind diese noch ein bisschen strenger.

      • Wie gesagt, ich wollte nicht Sie damit ankreiden, es ging allgemein darum. Schwarze Schafe gibt es leider überall. Was mir aber bisher immer unverständlich ist, ist der Punkt, dass solche dann noch in einem Verband bleiben können, der angeblich so hohe Ziele hat.

        Da Sie ja vernünftig arbeiten, so es denn so sei, kann man Sie nur beglückwünschen zu einem reinen Gewissen und die von Ihnen Angenagten, ääh, Angemahnten, werden sicherlich nicht auf einmal ankommen und erklären, sie hätten ja nichts gewusst.

        • Warum solche Unternehmen in BDIU sind kann ich mir leider auch nicht erklären, genauso wenig wie die Tatsache, dass solche Unternehmen nach wie vor eine Zulassung durch das zuständige Landgericht haben.

          Ich darf Sie jedoch beruhigen, bisher hat noch keiner der Schuldner mit denen ich zu tun hatte die Forderungen nicht von sich aus anerkannt. Viele haben einfach nur vergessen zu bezahlen bzw. sind momentan nicht dazu in der Lage. Mit diesen Schuldnern versuche ich dann eine Lösung zu finden, mit der alle Parteien leben können. Es ist weder mein Anliegen, noch das Anliegen meiner Mandanten die Schuldner ihrer Lebensgrundlage zu berauben. Uns ist es allen lieber, wenn aus einem ehemaligen Schuldner später wieder ein guter und zufriedener Kunde wird. Darauf arbeite ich auch hin, in dem ich eben nicht nach der Holzhammer-Methode vorgehe, sondern versuche eine einvernehmliche Lösung zu finden.

  • Es gibt gar kein seriöses Inkasso, alles ist Geldmacherei!

    • Sie müssen es ja wissen. Und bei einem Anwalt der sich auf Inkasso spezialisiert hat, bei dem ist es sicherlich keine Geldmacherei, richtig? Außerdem ist es durchaus ein legitimer Wunsch der Gläubiger, dass die Schuldner ihre Rechnungen begleichen, oder?

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